Montag, 21. Januar 2013

Jommeke Band 122 (Belgien)


"Das böhmische Schaukelpferd", so lautet der Titel dieses 122. Jommeke-Abenteuers aus dem Jahr 1984 auf Deutsch.
In dessen Mittelpunkt stehen "die Zigeuner". Heikle Sache...
Doch so heikel auch wieder nicht. "Die Zigeuner" dienen hier einfach als folkloristisch-exotische Komponente, und die hat seit jeher einen festen Platz in der Comic-Literatur - wie "die Inder" etwa, oder "die Indianer". Ab und zu rutscht deren Darstellung ins Ungeschickte ab und weckt Rassismus-verdacht,  in den besten Fällen werden die "fremden Völker" als Chiffre für "Exotik und Abenteuer" weitgehend wertfrei eingesetzt. Wobei es natürlich auch Stimmen gibt, welche bereits deren Einsatz zu Unterhaltungszwecken als politisch unkorrekt schimpfen.

Die Verwendung der "Zigeuner" (so werden sie in der flämischen Originalfassung genannt) präsentiert sich in diesem Album längere Zeit als Gratwanderung zwischen Folklore und Stereotype. Doch der Schluss der Geschichte rückt ihre Kultur ins Positive und Märchenhafte und machte die ungute Vorahnung, die zu Beginn geweckt wird, nichtig. Zudem ist eine Episode eingebaut, welche verdeutlicht, dass es "gute" und "schlechte" Diebe gibt - die schlechten stammen in dieser Geschichte aus unserem westlichen Kulturkreis. Der Diebstahl der Zigeuner vom Anfang hingegen wird am Ende als relativiert und sogar gerechtfertigt.

Nun aber zur Geschichte:
(© worldwide publishing rights Ballon Media B.V.)
Jommeke und Filiberke treffen auf einer Auktions-Ausstellung Estella Saprinetta, eine nette, etwas schrullige alte Dame, die sie bereits aus früheren Abenteuern kennen.
Estella möchte das schöne böhmische Schaukelpferd erwerben, das sich im Nachlass eines verstorbenen Kunstsammlers befindet.
Bei der Auktion bieten ein paar Zigeuner gegen sie und treiben den Preis massiv in die Höhe. Estella erhält den Zuschlag zwar, doch einer der Zigeuner klaut ihr das Pferd bei der nächstbesten Gelegenheit und flieht auf der Ladefläche eines Lastwagens. Pekkie beisst ihm im letzten Moment ein Stück Hose vom Hintern, in welchem sie auch noch die Brieftasche des Flüchtigen befindet. So finden unsere Freunde heraus, dass der Dieb in einen Dorf in Böhmen wohnt.

Zusammen mit der alten Dame fliegen Jommeke, Flip und Filiberke nach Böhmen und werden kurz nach der Landung Zeugen von Estellas Entführung.
Mit Estellas Geld reisen sie weiter und versuchen, einerseits Estella zu finden und zur geheimen Grossversammlung der Zigeuner zu gelangen, welche der Schaukelpferd-Dieb als Zigeunerkönig eröffnen soll. Als Zigeuner verkleidet kommen unsere Helden dort an und finden heraus, was es mit dem Schaukelpferd eigentlich auf sich hat: Es dient als Schlüssel zu einer riesigen Schatzkammer und wurde dem früher sesshaften Volk der Zigeuner vor langer Zeit gestohlen. Seither müssen sie als Fahrende in der Welt herumziehen - immer auf der Suche nach ihrem Schaukelpferd .
(© worldwide publishing rights Ballon Media B.V.)


(© worldwide publishing rights Ballon Media B.V.)
De boheems Schommelpaard gehört nicht zu den besten Jommeke-Alben, aber schlecht ist es beileibe nicht. Die Geschichte bleibt interessant, es gibt viele unvorhergesehene Wendungen und die Geschichte wird mit schönen Bildern stimmungsvoll erzählt.
Nur manchmal vermisst man originelle Nebenfiguren wie Professor Gobelijn, Mic Mac Jampudding oder die Gräfin Stiepelteen, welche andere Alben durch ihre Anwesenheit mit einer guten Prise Humor aufpeppen.
Der Humor kommt hier in der Tat etwas kurz - nur gerade Flip darf manchmal mit einigen frechen Sprüchen auftrumpfen - und das macht aus diesem Album eine etwas nüchterne Angelegenheit.

1 Kommentar:

  1. Es ist unglaublich, wieviele Alben es aus dieser schönen Serie schon gibt. Ich hoffe, daß jetzt im Laufe der kommenden Jahrzehnte alle, aber auch wirklich alle (!!!!!!!!!!) neu aufgelegt werden. Die Bände 1 und 3 der aktuellen Auflage sind ja schon vergriffen - wenn das kein gutes Omen für die Zukunft vom rostfreien Comic-Verlag ist?...

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