Donnerstag, 10. Januar 2013

Jommeke Band 3 (Deutschland): Kinderherrschaft

Bei Kinderherrschaft handelt es sich um eines der skurrilsten und absurdesten Jommeke-Abenteuer. Und wie immer, wenn es besonders absurd wird, hat Professor Gobeleijn die Zehen.. äh, die Finger im Spiel.
Gobelijn, der im deutschen Jommeke hier seinen ersten Auftritt hat, erfindet ein Serum, das Kinder schlau macht. Damit will er ihnen die leidigen Schulzeit ersparen, denn er findet, Kinder müssen spielen, nicht büffeln.
Jommeke und Filiberke speisen das Serum nachts in die Trinkwasserversorgung von Zonnendorp ein - ein Verfahren, das in den frühen Jommeke-Abenteuern oft praktiziert wird und das immer zum Desaster führt!

Das Desaster ist hier, dass der "Weisheitstrank", der die Kinder tatsächlich über Nacht gescheit und reif macht, bei den Erwachsenen die entgegengesetzte Wirkung zeitigt: Sie regredieren samt und sonders und benehmen sich wie kleine Kinder. Somit tritt der verrückte Zustand ein, dass die Kinder die infantil gewordenen Erwachsenen erziehen und unter Kontrolle halten müssen.

Diese Prämisse ist mit einer Fülle von witzigen Einfällen, mit viel Phantasie und kauzigem Humor umgesetzt. Es erstaunt mich immer wieder, mit wieviel Spass und Phantasie die Themen in den Jommeke-Comics abgehandelt werden. So wird etwa Annemieke gezeigt, die mit ihrer Oma spazieren geht. Die alte Dame schiebt einen Kinderwagen und quengelt um Eis. "Ja, gleich, Oma, wenn du brav bist!" quittiert Annemieke, die gerade Wichtiges mit Jommeke zu bereden hat. Es ist herrlich, wie hier die abgedroschenen Floskeln der Erwachsenen ad absurdum geführt werden, indem sie Kindern in den Mund gelegt werden.
Als Filiberkes Grossvater beim Indianerspiel in wildes Kriegsgeheul ausbricht, schilt ihn seine Frau einen "alten Spinner". Prompt findet sie sich darauf wie ein Rollmops verschnürt am Marterpfahl wieder.

In dieser scheinbar unerschöpflichen Ideenfülle liegt eines der Geheimnisse der Faszination der Jommeke-Comics. Ein anderes ist die Unbekümmertheit, mit der draufloserzählt wird, ohne selbst vor wirklich schrägen Wendungen nicht Halt zu machen. Die Szene etwa, in der Theofil und Marie mitten in der Schulstunde mit einem Schauknutschen beginnen, würde in Comics aus unseren Breitengraden herausgestrichen.
Die Szene, in der Gobelijn als einziger normaler Erwachsener in einem Saal voll "erwachsener" Kinder in einem lächerlichen Zwergenkostüm an deren Vernunft appeliert, weist auf eine weitere unschätzbare Qualität der Jommeke-Comics hin: Auf den Sinn der Schöpfer fürs komische Timing und für verquere Situationen.
Man muss einen Sinn für das Verrückte und Schräge haben, um diesen Jommeke voll und ganz schätzen zu können.

A propos "Schöpfer": Ich finde nirgends Angaben darüber, wer Kinderherrschaft und andere Jommeke-Comics geschaffen hat. Jef Nys hat Jommeke zwar erfunden und in den ersten Jahren auch gezeichnet, aber alle Alben können nicht von ihm sein. Zu deutlich unterscheiden sich zudem die Zeichenstile von Album zu Album, auch bei den "Frühwerken".
Aber ich bleibe aber dran - eventuelle Antworten werden auf diesem Blog zu finden sein.

Und zum Schluss noch dies: In einem Interview von 2009 bezeichnete Nys Kinderherrschaft als seine Lieblingsgeschichte. In Flandern gehört sie zu den populärsten Jommeke-Storys.

Im nächsten Beitrag werde ich einen flämischen Jommeke-Band vorstellen, der deutliche Parallelen zu Kinderherrschaft aufweist.

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