Dienstag, 23. April 2013

Ein Kindertraum


Das in Deutschland 2012 erschienene Jommeke-Album 4 erschien in Belgien bereits 1977, unter dem Originaltitel "De Plank van Jan Haring", als Jommeke-Band 84. Zeichner und Texter sind nicht bekannt.

Auffällig an diesem Album ist die sehr einfach gehaltene Geschichte. Jommeke erhält von einem alten Seebären namens Jan Haring einen Kutter, die "Planke". Weil der alte Kapitän sich alt und müde fühlt, übergibt er Jommeke das Schiff und erteilt ihm einen geheimnisvollen Auftrag, der erst auf hoher See konkrete Formen annehmen soll: Einem Puzzle gleich hat Jan Haring auf der Planke Hinweise versteckt, welche Jommeke und seine Freunde schliesslich auf die Spur eines vor Island versteckten Wikingerschatzes bringen.
Doch leider werden sie bei der Bergung des Schatzes von der Crew eines Fischkutters beobachtet und schon bald verfolgt...

Die Planke von Jan Haring führt mit dem alten Kapitän Haring eine gewichtige Nebenfigur ein, die in vielen späteren Jommeke-Abenteuern eine Rolle spielen wird. Hier kommt er, müde und "verschlissen", nur am Rand vor. In späteren Alben werden seine Lebensgeister zurückgekehrt sein und er wird wieder selbst das Steuerrad in die Hand nehmen und die Meere durchfahren. Insofern ein wichtiges Album, das auf deutsch erscheinen musste.

Die Zeichnungen sind einfach, klar und wirkungsvoll. Die Handlung, ebenfalls einfach gehalten, vermag zu packen und zu faszinieren, doch ist sie für Erwachsene wohl doch etwas zu einfach. Der im letzten Album (Kinderherrschaft) reichlich vorhandene Humor und die Skurrilitäten fehlen hier weitgehend, dafür überzeugt dieser Band mit dichter Atmospähre und mit - für Kinder - beeindruckendem Handlungsverlauf: Wer hat nicht als Kind davon geträumt, einen echten Schatz zu finden?!
Ein Manko weist der Band leider auf: die Übersetzung. Da wurde zum grossen Teil wörtlich aus dem sehr kindlich-simplifizierenden Original übersetzt, und dadurch büsst dieses Album für Erwachsene etwas an Reiz ein. Dabei wäre eine sklavische Übersetzung gar nicht nötig! Die Jommeke-Alben brauchen eine freie Eindeutschung. Man könnte durchaus etwas Humor zufügen, den Originaltexten täte man damit keine Gewalt an - so gut sind sie wirklich nicht!

Und noch etwas fällt in diesem Album auf: Die Geschichte ist immer wieder durchsetzt mit seitengrossen Bildern. Bereits im Jampuddinggespenst gab es diese "Riesenpanele", hier allerdings treten sie gehäuft auf: Gleich fünf davon sind auf den insgesamt 47 Comicseiten vorhanden.
Manche mögen nach deren Sinn fragen. Die Erklärung ist einfach: Früher hatten die Jommeke-Geschichten noch keine festgelegte Seitenanzahl. Es gab Geschichten mit 44 Seiten oder weniger, jene mit 48 Seiten waren damals noch die Ausnahme. Als dann die Seitenzahl für die Alben in den Achtzigerjahren auf 48 festgelegt wurden, wurden für die alten, wieder aufgelegten Alben "Füllseiten" nötig. Damit entstanden diese A4-Panele, die man in den Jommeke-Alben der Anfangszeit gehäuft findet.

Hier gibt es eine Leseprobe dieses Albums.

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