Freitag, 16. Februar 2018

Käse mit Löchern


Vor kurzem ist im deutschsprachigen Raum ein weiterer Jommeke-Band erschienen: Die Nummer 12.
Der Comic ist alt, er stammt aus den Anfängen Jommekes, genauer: aus dem Jahr 1969, wo er als Band 38 erschien. "Käse mit Löchern" wurde wohl noch von Jef Nys selbst gezeichnet und getextet. Der Comic erschien bereits in den 70er-Jahren in Deutschland (im Gemini-Verlag), dort unter dem Titel "Der rätselhafte Fund".

"Käse mit Löchern" ist die "typische" Abenteuergeschichte, wie sie damals gerne erzählt wurde: Die Kinderbande um Jommeke erhält den Auftrag, ein verwaistes Baby nach Thailand zu seinen Eltern zurück zu bringen. Als blinde Passagiere schmuggeln sie sich an Bord eines Hochseedampfers, der sie nach Indien bringt. Von dort schlagen sie sich durch den Dschungel nach Thailand durch. Auf dem Weg erleben sie viele Gefahren.
Mehr ist nicht. Die Geschichte ist simpel und läuft nach dem Schema "und dann, und dann, und dann" ab. Trotzdem vermochte es Jef Nys, ihr einen ganz eigenen Charme zu geben - dank seinem unbekümmerten Witz und viel verquerem Humor.

Doch gerade der unbekümmerte Witz könnte dem Comic heute zum Verhängnis werden (was nicht zu hoffen ist): Da gibt es einige Passagen, die im heutigen beklemmenden Klima der ausufernden "poilitical Correctness" als "rassistisch" gebrandmarkt werden könnten. Einmal kommt ein betrunkener Inder vor, ein andermal - viel Schlimmer! - ein Stamm Wilder Schwarzer, Verzeihung: Maximalpigmentierter, die den Kindern ans Leder wollen und Sätze wie ""Jajka hululu supp" von sich geben.
Ganz schön mutig von Herausgeber Mario Wagner, sowas im heutigen Spitzel-Klima der allumfassenden Rassismus-Verdächtigungen überhaupt zu veröffentlichen! Chapeau!

Rassistisch ist an dieser Geschichte allerdings gar nichts - erstens handelt es sich bei dem "Hottentotten"-Stamm um ein damals gängiges und viel verwendetes Abenteuer-Versatzstück, zweitens ist der Stamm erfunden - jede Ähnlichkeit mit lebenden oder verstorbenen Urwaldstämmen ist reiner Zufall, und drittens ist die Story ein Relikt aus einer anderen Zeit (was man allerings im Buch hätte kenntlich machen müssen - die notwendige zeitliche Verortung der Story fehlt sogar im Impressum).
Begrüssenswert, dass der irren Zensurwut der heutigen Rassismus-Sektierer nicht vorauseilend Gehorsam geleistet wurde.

Trotzdem könnte der Schuss nach hinten losgehen - dann nämlich, wenn "Käse mit Löchern" auf dem Schirm der erwähnten Moralprediger erscheint und diese dann den besorgten Eltern entgegen besseres Wissen weismachen, "Jommeke" schade ihren Kindern, weil er rassistisches Gedankengut verbreite.

Die Kinder verstehen die Sache interessanterweise genauso, wie sie gemeint ist. Ideologische Scheuklappen ist etwas, was man wohl erst im Erwachsenenalter entwickelt...

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